100 Jahre MTV Ennenda
MTV Ennenda feiert Geburtstag
Zum hundertsten Mal jährt sich der Geburtstag der Ennendaner Männerriegler. Eine Rückblick auf bewegte Zeiten.
Kein Ringen um Lorbeeren
Bereits 1907 gibt es erste Hinweise auf turnerische Aktivitäten auf Männerriegenstufe in Ennenda. Bis zur Gründung der Männerriege sollten jedoch noch fast zwanzig Jahre ins Land ziehen. Am 27. Februar 1926 war es soweit: die Männerriege Ennenda wurde von siebzehn, mehrheitlich ehemaligen Aktivturnern, gegründet. Offensichtlich wollte man es in der Männerriege etwas gemütlicher angehen lassen. Nur so lassen sich die einleitenden Worte im ersten Jahresbericht deuten: „Kein Ringen um Lorbeeren ist unser Ziel, wohl aber eine Pflege. Eine Pflege der Gesundheit, der Kameradschaft und der Fröhlichkeit“.
Turnbetrieb
Ab dem ersten Vereinsjahr wurde wöchentlich, ohne Unterbruch, geturnt. Den maximalen Turnstundenbesuch von 52 Besuchen erreichten aber nur wenige. In den Folgejahren reduzierte sich das Angebot kontinuierlich und ab 1977 fanden jährlich noch 39 Turnstunden statt, was in etwa dem heutigen Angebot entspricht.
Turnfeste
1928 nahmen die ehemaligen Aktivturner zum ersten Mal als Männerriegler am eidg. Turnfest in Luzern teil. Über turnerische Erfolge finden sich keine Berichte. In den Folgejahren liessen sich die Männerturner im Schnitt nur noch alle 3 – 4 Jahre für die Teilnahme an einem Turnfest begeistern.
Ab 1958 nahm der MTV Ennenda während fast 45 Jahren an keinem Turnfest mehr teil. Der 2002 gewählte Oberturner Kaspar Elmer, er liess sich nur unter der Bedingung wählen, dass die turnerische Sache wieder vermehrt im Vordergrund steht, hauchte der Turnfesttradition neues Leben ein. Von 16 protokollierten Turnfestteilnahmen in der hundertjährigen Vereinsgeschichte fanden sechs Teilnahmen in der Aera Chäpp Elmer statt.
Die erste Turnfahrt
Wegen strömendem Regen endete die erste Turnfahrt 1928 im Hotel Bahnhof in Weesen mit einem Kegelschub und einigen Jasspartien. Die für 1929 geplante Turnfahrt nach Elm wurde von Sebastian Jenny in Eigenregie durch eine Sauserfahrt nach Maienfeld ersetzt. Er organsierte fünf Autos, übernahm die Kosten und los ging´s. Kamerad Jakob Spälti hatte allerdings Pech. Durch eine Manipulation am Kühlerdeckel spritzte dampfendes Wasser, so dass er sich den Arm verbrühte. Nach der Verarztung durch eine Einwohnerin ging es weiter nach Maienfeld zum Gasthaus Ochsen wo sie einen passenden Tropfen zum Bündnerfleisch fanden und diesem gehörig zusprachen. Der Wirt meinte: „Ihr gheibe Ghoge, ihr ghönd mi nid uussuffe, i ha no gnueg Fläscher im Gheller“.
Sebastian Jenny – Mäzen des MTV Ennenda
Sebastian Jenny – Peter war eine prägende Persönlichkeit für die Männerriege Ennenda. Der 1894 geborene und an der Abläsch 18 wohnhafte Sebastian war bis zu seiner Wahl in den Gemeinderat Ennenda und den Landrat 1935 ein fleissiger Turner. Auch als seine Turnstundenbesuche spärlicher wurden, blieb er dem Verein treu verbunden. Das Wohl der Kameraden lag ihm am Herzen und Reisen war seine Passion. Auf seine Initiative wurde 1936 die obligatorische Reisekasse gebildet. Jeder musste Fr. 50 einzahlen. Sebastian selbst legte einen beträchtlichen Betrag als Stock in die Kasse. Bis zu seinem Tod 1974 wird sein finanzielles Engagement an der Hauptversammlung regelmässig verdankt. So wundert es nicht, dass Sebastian Jenny bereits 1937 mit den Worten: „Wieviel Güte konnten wir durch ihn erfahren! Wieviel Schönes konnten wir durch ihn erleben. Wie manchem von uns hat er wohl im Stillen mit Rat und Tat geholfen“ zum ersten Ehrenmitglied ernannt wurde.
Erste Turnerreise
Bereits 1937 fand die erste Turnerreise statt. Über das Reiseziel mussten sich die Mitglieder keine grossen Gedanken machen. Sebastian bestimmte noch am Gründungstag der Reisekasse 1936 das Reiseziel: Vier Tage Mailand und Genua, „damit jeder einmal das Meer sieht“. So bestiegen 20 festlich gekleidete Männerturner, alle mit Anzug, Kravatte und Hut, am 26. März 1937 den Zug Richtung Mailand. Stolz haben sie vor dem Denkmal von Christof Kolumbus posiert, „Gwunderig“ Marktstände inspiziert, über die grossen Schiffe gestaunt. Sie sind mit modernsten Autobussen gefahren um das ersehnt Meer zu sehen und die Wellen rauschen zu hören.
Kriegsjahre
Mit Ausbruch des 2. Weltkriegs kam die Turnbewegung ins Stocken. Turnhallen wurden zu Truppenlagern umfunktioniert und wenn sie nicht durch die Armee besetzt war fand der Turnbetrieb in ungeheizten Turnhallen statt. Willkommene Abwechslung und Zerstreuung vom Kriegsalltag waren Wandertage in der näheren Umgebung, Spiel- und Stafettentage auf der Schwammhöhe oder in Niederurnen.
Neuer Schwung
Mit dem Ende der Kriegswirren in Europa kam neuer Schwung in die Männerriege. Unbeschwert wurde wieder wöchentlich gemeinsamen geturnt, an kantonalen Turnfahrten traf man sich generationenübergreifend zu Spiel und Spass und auch das Reisefieber liess nicht lange auf sich warten. Bereits 1946 stand mit dem Wallis und der Romandie eine mehrtägige Reise auf dem Programm. Nebst den mehrtägigen Vereinsreisen erfreuen sich auch die alternierend stattfindenden Velotouren und Wanderungen grosser Beliebtheit.
Mitgliederentwicklung
Der MTV Ennenda zählte von der Gründung 1926 bis nach Kriegsende durchschnittlich 25 Mitglieder. Ab Mitte der 50-er Jahre konnten zahlreiche Eintritte verzeichnet werden und erreicht 1976 den Höchststand von 56 Turnern. Altersbedingte Austritte und alternative Freizeitangebote beschleunigten den Mitgliederschwund bis zur Jahrtausendwende. Seit rund 25 Jahren halten sich Ein- und Austritte die Waage. Durch die Schaffung der Kategorie 35 + fehlen Übertritte von Aktivturnern in die Männerriegen. Den stabilen Bestand von 35 Mitliedern verdankt der MTV Ennenda Eintritten von Quereinsteigern.
Ausblick
Der Leitsatz der ersten Hauptversammlung, die Pflege der Gesundheit, der Kameradschaft und der Fröhlichkeit und nicht das Ringen nach Lorbeeren, ist die DNA der Männerriege Ennenda geblieben. Abwechslungsreiche Turnstunden, gepaart mit kameradschaftlichem Zusammensein dürfte auch das Erfolgsrezept für die Zukunft sein oder einfach „mir mached üs uf d´Sögge für die nächschte hundert Jahr“.
Text: Ernst Schreiber
Bilder: Archiv MTV Ennenda