Historischer Medaillenregen für die RG Glarnerland an den Schweizer Meisterschaften
Am 13. und 14. Juni traf sich die nationale Elite der Rhythmischen Gymnastik in der Saalsporthalle in Zürich, um die Schweizer Meisterinnen zu küren. Mit grossen Hoffnungen, viel Vorfreude – aber auch einer gehörigen Portion Nervosität – reiste die RG Glarnerland, die den Glarner Turnverband an den Schweizer Meisterschaften vertraten, an die Titelkämpfe. Dass das Wochenende schliesslich mit einer Rekordausbeute von zehn Medaillen enden würde, wagte im Vorfeld kaum jemand zu träumen.
Den Auftakt machte am Samstag die Kategorie P4 mit Helena Tesic und Seraina Franz. Das Teilnehmerfeld war hochkarätig besetzt und jeder kleine Fehler konnte über Sieg oder Niederlage entscheiden. Für Seraina standen die Chancen auf eine Medaille gut, nachdem sie sich in den beiden Qualifikationswettkämpfen bereits auf den Plätzen zwei und drei klassiert hatte.
Doch der Wettkampf begann alles andere als nach Wunsch. Gleich in ihrer ersten Übung unterlief ihr ein für sie völlig ungewohnter Fehler. Die Enttäuschung war riesig – statt an der Spitze fand sie sich plötzlich nur noch auf dem siebten Zwischenrang wieder. Die Medaillenträume schienen in weite Ferne gerückt.
Doch genau in diesem Moment zeigte Seraina ihre mentale Stärke. Es folgte ausgerechnet ihr «Zittergerät», das Band. Die Anspannung war bei Trainerinnen, Teamkolleginnen und Publikum förmlich spürbar. Fehlerfrei und mit viel Ausdruck brachte sie ihre Übung zu Ende und belegte mit dem Band den hervorragenden vierten Geräteplatz. Damit kämpfte sie sich im Gesamtklassement bereits auf Rang vier zurück.
Nun folgte ihr Paradegerät – die Keulen. Was Seraina dort zeigte, war Rhythmische Gymnastik auf höchstem Niveau. Ausdruck, Präzision und Schwierigkeit verschmolzen zu einer nahezu perfekten Darbietung. Die Kampfrichter belohnten ihre Leistung mit der höchsten Wertung des gesamten Teilnehmerfeldes an diesem Gerät. Plötzlich fehlten nur noch 0,1 Punkte auf den Bronzerang.
Die Entscheidung musste in der abschliessenden Ballübung fallen. Noch einmal behielt Seraina die Nerven, präsentierte eine fehlerfreie und ausdrucksstarke Übung und machte ihre eindrückliche Aufholjagd perfekt. Vom siebten Zwischenrang kämpfte sie sich zurück aufs Podest und durfte sich über die verdiente Bronzemedaille freuen.
Auch Helena Tesic überzeugte mit einem konstant starken Wettkampf. Mit vier nahezu fehlerfreien Übungen belegte sie im starken Teilnehmerfeld den ausgezeichneten 13. Schlussrang. Besonders ihre herausragende Artistik begeisterte das Publikum und zog die Zuschauerinnen und Zuschauer immer wieder in ihren Bann – eine ihrer ganz grossen Stärken.
In der Kategorie P5B war im Vorfeld alles offen. Mit Alissa Jenni, Valentina Pavin und Leana Tesic verfügte die RG Glarnerland gleich über drei Gymnastinnen mit Medaillenchancen. Wie auch Helena Tesic und Kristina Kubli besuchen sie die Sportschule Glarnerland.
Alissa Jenni zeigte einen beeindruckend konstanten Wettkampf. Vier fehlerfreie Übungen brachten ihr den hervorragenden sechsten Schlussrang ein.
Noch spannender verlief der Wettkampf von Leana Tesic und Valentina Pavin. Beide kämpften bis zuletzt um die Medaillen. Der Druck war jedoch spürbar. Leana konnte an den Keulen ihr ganzes Können nicht abrufen, während Valentina ausgerechnet am Band einen entscheidenden Fehler hinnehmen musste. Beide liessen sich davon jedoch nicht beirren und überzeugten an den übrigen drei Geräten mit hervorragenden Darbietungen.
Leana beeindruckte insbesondere mit ihrer starken Körpertechnik und ihren sehr schwierigen Elementen. Trotz des Rückschlags kämpfte sie sich vom zwischenzeitlichen fünften auf den hervorragenden dritten Schlussrang vor und durfte sich verdient die Bronzemedaille umhängen lassen – eine beeindruckende Leistung.
Auch Valentina liess sich von ihrem Fehler nicht aus der Ruhe bringen. Mit ihrer ausgezeichneten Gerätetechnik und drei überzeugenden Übungen kämpfte sie sich auf den starken vierten Schlussrang vor und bestätigte damit ihr hohes Niveau.
Anschliessend richteten sich alle Blicke auf den Gruppenwettkampf der Kategorie G3. Nach zwei Siegen in den Qualifikationen gingen die Glarnerinnen als klare Favoritinnen ins Rennen. Doch schnell wurde deutlich, dass die Konkurrenz in den vergangenen Wochen grosse Fortschritte gemacht hatte und ebenfalls fehlerfreie Übungen zeigte.
Als letzte Gruppe betraten Alissa Jenni, Valentina Pavin, Seraina Franz, Helena Tesic, Leana Tesic und Kristina Kubli die Wettkampffläche. Allen war bewusst: Jetzt brauchte es zwei perfekte Übungen – alles andere würde für Gold wohl nicht reichen.
Und genau das lieferten die Glarnerinnen.
Mit beeindruckender Synchronität, grossem Ausdruck, hohem Schwierigkeitsgrad und zwei absolut fehlerfreien Ballübungen übertrafen sie sich im entscheidenden Moment selbst. Der verdiente Lohn war die Goldmedaille mit komfortablem Vorsprung. Die Freude nach der Rangverkündigung war riesig.
Am Sonntag eröffnete Emilia Rochey-Adams den Wettkampf für die RG Glarnerland in der Kategorie P2. Sie zeigte drei fehlerfreie Übungen und klassierte sich sowohl mit Ball, Reif als auch ohne Handgerät jeweils auf dem zweiten Geräteplatz. Auch im Mehrkampf durfte sie sich über die Silbermedaille freuen – hinter der Gymnastin des nationalen Leistungszentrums Waadt und noch vor der Athletin des Stützpunkts Zürich. Ein aussergewöhnlicher Erfolg.
Den Abschluss der Einzelwettkämpfe bildete Kristina Kubli in der höchsten Kategorie P6B. Trotz enorm starker Konkurrenz zeigte sie eindrücklich, dass sie zu den besten Gymnastinnen der Schweiz gehört. Nicht alle Übungen gelangen ihr ganz nach Wunsch, weshalb sie den etwas undankbaren fünften Schlussrang belegte. Ihre Resultate aus den Qualifikationen – Rang zwei und drei – unterstreichen jedoch eindrucksvoll ihr hohes Leistungsniveau.
Für einen weiteren emotionalen Höhepunkt sorgte die jüngste Gruppe des Glarner Turnverbandes. Iva Aleksic, Ema Scerba, Sofia Scerba, Ajlin Maliqi, Leona Sotjov und Emilia Rochey-Adams reisten ohne grosse Erwartungen an ihre ersten Schweizer Meisterschaften. Bereits die Teilnahme war für die jungen Gymnastinnen ein grosses Erlebnis.
Als erste Gruppe des gesamten Wettkampfs präsentierten sie ihre Choreografie und überraschten mit viel Ausdruck, grosser Synchronität und einer hervorragenden Wertung von 19.000 Punkten. Nach dem ersten Durchgang lagen sie sensationell auf Rang vier – lediglich 0,05 Punkte hinter einem Medaillenplatz.
Im zweiten Durchgang bewiesen die jungen Glarnerinnen erneut starke Nerven und zeigten nochmals eine nahezu perfekte Übung. Das lange Warten auf die Schlussrangliste wurde schliesslich mit einer grossen Überraschung belohnt: Gemeinsam mit dem Stützpunkt Südostschweiz durften sie sich über die Bronzemedaille freuen – ein Erfolg, mit dem vor dem Wettkampf niemand gerechnet hatte.
Den krönenden Abschluss setzte Lauren Grüniger in der Elitekategorie P6A. Die spätere WM-Teilnehmerin, welche die Schweiz im August in Deutschland vertreten wird, bestätigte ihre Extraklasse eindrücklich. Sie gewann den Mehrkampf souverän vor Norah Demierre und entschied anschliessend sämtliche Gerätefinals – Reif, Ball, Keulen und Band – für sich. Eine überragende Vorstellung und ein eindrucksvoller Beweis ihrer internationalen Klasse.
Als am Sonntagabend die letzte Rangverkündigung beendet war, lagen sich Gymnastinnen, Trainerinnen und Eltern in den Armen. Tränen der Freude, unzählige Umarmungen und strahlende Gesichter prägten den Abschluss eines unvergesslichen Wochenendes. Bei der Heimkehr wartete bereits eine kleine Überraschungsfeier auf das erfolgreiche Team.
Mit insgesamt zehn Medaillen – sechs Gold-, einer Silber- und drei Bronzemedaillen – schrieb die RG Glarnerland Vereinsgeschichte. Noch nie zuvor kehrte der Verein mit einer derart erfolgreichen Bilanz von Schweizer Meisterschaften nach Hause zurück. Ein Erfolg, der die unzähligen Trainingsstunden, den grossen Teamzusammenhalt und die Leidenschaft aller Gymnastinnen und Trainerinnen eindrücklich widerspiegelt. Die Schweizer Meisterschaften 2026 in Zürich werden deshalb als eines der erfolgreichsten Kapitel der Vereinsgeschichte in Erinnerung bleiben.